Regedent Therapiekonzepte

 

Behandlung von Parodontaltaschen ohne Chirurgie

 

Das Minimalziel für die Behandlung von parodontalen Infektionen ist eine Reduktion der Sondierungstiefe auf 4mm und das Abklingen der Entzündungszeichen (BoP-). Hierfür ist eine mehrstufige Therapiesequenz vorgesehen, die sich über mehrere Monate erstreckt.1

Nichtchirurgische PA-Therapie

Ein relevantes Messkriterium für den Behandlungserfolg ist die sog. Pocket Closure Rate. Diese bemisst den prozentualen Anteil der anfangs parodontal infizierten Taschen, die nach der Behandlung „aufgelöst“ werden konnten, also sowohl entzündungsfrei sind als auch eine verringerte Sondierungstiefe von 4mm oder weniger aufweisen.2 Beim ersten Schritt der aktiven Behandlungsphase wird eine subgingivale Instrumentierung aller parodontal erkrankter Zahntaschen durchgeführt (AIT – Anti-Infektiöse Therapie). Hierdurch können kleinere parodontale Taschen in guter Erfolgsrate aufgelöst werden.3,4

 Pocket Closure 5 6

Tiefere Taschen stellen allerdings für die subgingivale Instrumentierung eine große Herausforderung dar, da sie oft nicht einmal durch eine zweite Instrumentierung aufgelöst werden können.3,4 So verbleiben mehr als 50% aller Taschen parodontal beherdet.

Pocket Closure 7 8

Hier zeigen bis dato lediglich chirurgische Maßnahmen (z.B. CPT – Chirurgische Parodontaltherapie) eine vorhersagbare Verbesserung der Entzündungsparameter, jedoch sind meistens ästhetische Kompromisse die ungewollte Folge.4,5

Pocket Closure CPT

Aktuelle klinische Studien zeigen eine signifikant verbesserte nichtchirurgische Behandlung von tiefen parodontalen Taschen mit dem „CLEAN&SEAL®“-Konzept, das zum einen auf eine verbesserte Instrumentierung und zum anderen auf die Unterstützung von Heilungs- und Regenerationsvorgängen der Tasche abzielt.

 

nicht-chirurgische parodontalbehandlung mit clean&seal®

 

Durch die adjuvante Anwendung von CLEAN&SEAL® bei der subgingivalen Instrumentierung (SRP) können die parodontalen Parameter in allen Phasen der parodontalen Behandlungsstrecke signifikant verbessert werden.6-9

Phase 2 (AIT)

In einer prospektiven klinischen Vergleichsstudie von Ramanauskaite et al. wurden durch SRP in Kombination mit dem CLEAN&SEAL® Protokoll bei entzündeten parodontalen Taschen signifikant verbesserte klinische Ergebnisse als bei der Instrumentierung alleine erzielt.6

PD CAL Reinst 

Weiterhin verringerte sich mit CLEAN&SEAL® auch die Häufigkeit von Sondierungsbluten („bleeding on probing“: BOP) im Vergleich zur alleinigen Instrumentierung (SRP).

BOP Reinst

So ist es nicht verwunderlich, dass die CLEAN&SEAL® Behandlung einen ausgeprägten positiven Effekt auf die Pocket Closure Rates hat. Während die Taschenverschlussrate bei der konventionellen Therapie mit der initialen Taschen tiefe sinkt (von 73% bei 5-6mm Taschen auf 47% bei Taschen >8mm), wurde durch zusätzliche Anwendung des CLEAN&SEAL-Protokolls eine signifikant höhere Verschlussrate von ± 90% erzielt, unabhängig von der initialen Taschentiefe.7

Pocket Closure AIT

 

Phase 3 (Re-Instrumentierung)

Durch die adjuvante Anwendung von CLEAN&SEAL® bei der Re-Instrumentierung von Resttaschen nach der AIT wurde in einer klinischen Vergleichsstudie von Jungbauer et al. ein signifikant höherer Attachmentgewinn als bei der Instrumentierung alleine erzielt.8

PD CAL AIT

Weiterhin verringerte sich mit CLEAN&SEAL® auch die Häufigkeit von Sondierungsbluten („bleeding on probing“: BOP) im Vergleich zur alleinigen Instrumentierung (SRP).

BOP Reinst

Vergleichbar zur Anwendung bei der AIT können durch Applikation des C&S-Protokolls deutlich höhere Pocket Closure Rates erzielt werden. Während die Taschenverschlussrate bei der konventionellen Therapie mit der initialen Taschen tiefe sinkt (von 73% bei 5-6mm Taschen auf 47% bei Taschen >8mm), wurde durch zusätzliche Anwendung des C&S-Protokolls eine signifikant höhere Verschlussrate von ± 90% erzielt, unabhängig von der initialen Taschentiefe.9

Pocket Closure Reinst

 

Phase 4 (UPT)

In einer klinischen Fallserie von Diehl et al. wurde SRP in Kombination mit dem CLEAN&SEAL Protokoll konnten bei tiefen entzündeten persistierenden Taschen sowohl die Sondierungstiefen („probing depth“: PD) als auch der klinische Attachmentverlust („clinical attachment loss“: CAL) um mehr als 2 mm signifikant verringert werden.10

PD Phase4CAL Phase4

Durch die CLEAN&SEAL Anwendung konnte auch die Häufigkeit von Sondierungsbluten („bleeding on probing“: BOP) signifikant reduziert werden.

BOP Reinst

 

parodontale Regeneration durch clean&seal®

Es ist mittlerweile bekannt, dass die Verbesserung der klinischen Parameter durch CLEAN&SEAL® auf eine echte parodontale Regeneration und nicht auf eine bindegewebige Auffüllung der Tasche zurückzuführen ist. Dies konnte in einer präklinischen Arbeit gezeigt werden, bei der chronische parodontale Defekte entweder mit subgingivaler Instrumentierung (SRP) oder mit der Kombination SRP und CLEAN&SEAL® behandelt wurden.11

Nach 2 Monaten zeigte die C&S-Gruppe in der histologischen Auswertung statistisch signifikant bessere Werte bei allen relevanten regenerativen Messparametern (Bildung von neuem Wurzelzement, neues parodontales Attachment sowie neu gebildeter Knochen).

Histomorphometrie

Die histologischen Schnitte zeigen den signifikanten Unterschied zwischen reiner Instrumentierung und adjuvanter Anwendung des C&S-Protokolls.
In der Kontrollgruppe mit reiner Instrumentierung ist das Dentin der Wurzeloberfläche (D) nicht mit dem neu gebildeten Knochen (NB) verbunden, sondern durch unspezifiziertes Saumepithel getrennt (links).
n der CLEAN&SEAL-Gruppe ist ein direkter Verbund von Dentin und Knochen durch neu gebildetes parodontales Ligament (NPL) zu verzeichnen.

Histologie

 

Verbesserung des subgingivalen keimspektrums durch clean&seal®

Bei 48 Parodontitis-Patienten aus einer randomisierten Vergleichsstudie, die entweder mit SRP alleine oder mit der Kombination SRP/C&S behandelt wurden, wurde das parodontale subgingivale Keimspektrum der pathogenen Markerkeime Aggregatibacter Actinomycetemcomitans (A.a), Porphyromonas Gingivalis (P.g), Tannerella Forsythia (T.f), Treponema denticola (T.d), Prevotella Intermedia (P.i) sowohl vor als auch 3 bzw, 6 Monate nach der Behandlung untersucht.12

Bei der subgingivalen Instrumentierung nimmt die Keimzahl kurzzeitig leicht ab und steigt im weiteren Heilungsverlauf wieder kontinuierlich an.

Mikrobio 01

Im Gegensatz dazu erfolgt durch das C&S-Protokoll eine nachhaltige Verringerung der Keimzahl, gekennzeichnet durch eine deutlichere kurzfristige Abnahme sowie im weiteren Heilungsverlauf entweder durch eine kaum ausgeprägte Steigerung oder sogar eine weitere nachhaltige Reduktion.

Mikrobio 02

 

pocket closure rate srp/clean&seal vs. SRP alleine

Durch eine alleinige subgingivale Instrumentierung kann keine vorhersagbare Auflösung von tiefen parodontalen Taschen (Sondierungstiefe >6mm) erzielt werden. Sowohl nach mehrfacher Instrumentierung in Phase II und Phase III (AIT und Re-Instrumentierung) verbleiben eine Vielzahl aller Taschen parodontal beherdet.3,4

Im Gegensatz dazu wird durch zusätzliche Applikation des C&S-Protokolls bereits in Phase II eine signifikante Auflösung der tiefen Taschen erzielt.7 Auch bei Anwendung des Protokolls bei der ReInstrumentierung (Phase III) ist die Auflösungsrate signifikant höher als bei der alleinigen Instrumentierung.9

Pocket Closure Summary

Die Taschenauflösung ist bei beiden Behandlungsphasen vergleichbar mit Erfolgsraten, die bis dato nur durch chirurgische Interventionen erreicht werden können.

 

Patient resolution srp/clean&seal vs. SRP alleine

Im Gegensatz zur Pocket Closure Rate als klinischer Marker für die Normalisierungsrate von einzelnen parodontale Taschen, bemisst die Patient Resolution den Erfolg der Behandlung auf den Gesamtzustand des Patienten. Die Patient Resolution bemisst den Anteil der Patienten, bei denen alle ehemals parodontal infizierten Taschen abgeheilt sind. Sie liefert dadurch einen umfassendere und klinisch relevanteren Endpunkt für einen durchschlagenden Behandlungserfolg: 

  • alle Risikostellen sind abgeheilt
  • es bestehen keine pathologischen Taschen mehr
  • es verbleiben keine Entzündungszeichen (BOP).

 

Zur Untersuchung des Effekts des C&S-Protokolls auf die Patient Resolution wurden die Rohdaten der randomisierten Vergleichsstudie von Ramanauskaite zur Anwendung von C&S in der AIT ausgewertet.9

In der Kontrollgruppe mit konventioneller subgingivaler Instrumentierung konnte bei keinem Patienten eine vollständige Auflösung aller Taschen erzielt werden. Es verblieben - trotz einer Reduktion der Taschentiefe – immer mindestens eine oder mehrere Resttaschen.

Patient Resolution 1

In der Testgruppe mit zusätzlicher CLEAN&SEAL-Applikation wurde eine Patient Resolution von 42% dokumentiert. Zudem war bei den anderen Patienten die Anzahl der verbleibenden Resttaschen im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich reduziert.

Patient Resolution 2

 

LITERATUR

  1. Ferrarotti F, Baima G, Rendinelli M, Citterio F, Mariani GM, Mussano F, Romano F, Romandini M, Aimetti M. Pocket closure after repeated subgingival instrumentation: a stress test to the EFP guideline for stage III-IV periodontitis. Clin Oral Investig. 2023 Nov;27(11):6701-6708.
  2. Tomasi C et al. J Clin Periodontol. 2022;49(11):1092-1105.
  3. Liss A, Abrahamsson KH, Welander M, Tomasi C. Effectiveness of nonsurgical reinstrumentation of residual pockets as step 3 of periodontal therapy: A field study. J Periodontol. 2025 Jan 18. doi: 10.1002/JPER.24-0532. Epub ahead of print.
  4. Simonelli, A. et al. Clin Oral Invest 2025 ;29 :316.
  5. Ramanauskaite E et al. Clin Oral Invest 2023;27:6645–6656.
  6. Additional data evaluation from Ramanauskaite E et al. Clin Oral Invest 2023;27:6645–6656.
  7. Jungbauer G et al. J Clin Periodontol. 2025 ;Special Issue Europerio:PD0090.
  8. Additional data evaluation from Benyei L et al. Clin Oral Investig. 2024;28(9):513.
  9. Diehl D, Friedmann A, Liedloff P, Jung RM, Sculean A, Bilhan H. Adjunctive Application of Hyaluronic Acid in Combination with a Sodium Hypochlorite Gel for Non-Surgical Treatment of Residual Pockets Reduces the Need for Periodontal Surgery-Retrospective Analysis of a Clinical Case Series. Materials (Basel). 2022 Sep 20;15(19):6508.
  10. Shirakata Y et al. Clin Oral Investig 2024;28(5):281.
  11. Ramanauskaite E, Machiulskiene Visockiene V, Shirakata Y, Friedmann A, Pereckaite L, Balciunaite A, Dvyliene UM, Vitkauskiene A, Baseviciene N, Sculean A. Microbiological Effects of Sodium Hypochlorite/-Amino Acids and Cross-linked Hyaluronic Acid Adjunctive to Nonsurgical Periodontal Treatment. Oral Health Prev Dent. 2024 Apr 30;22:171-180.

 

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